Was ist Prozessarbeit? 

 

Die Prozessarbeit ist sowohl eine Haltung als auch eine Methoden- und Modellsammlung zur Bildung von Bewusstsein über individuelle und kollektive Veränderungsprozesse in unterschiedlichen Systemen. 


Die Wurzeln der Prozessarbeit gehen auf den Physiker und Psychologen Arnold Mindell zurück. Anfang der 1970er Jahre entdeckte er als Lehranalytiker des C.G. Jung-Institutes in Zürich, dass die Arbeit mit Traumbildern und Körpersignalen zu denselben Prozessen führt, die Kombination dieser Zugänge jedoch die Möglichkeiten der analytischen Bewusstseinsarbeit vervielfacht. Die daraus entstehende „Traumkörperarbeit“ entwickelte sich zu einem universellen Ansatz des Umgangs mit Veränderungsprozessen im Rahmen der Einzelarbeit, der Arbeit mit Familien, Gruppen und Organisationen. Bis in die 90er Jahren entfaltete Mindell zusammen mit seiner Frau Amy und den Schülern der ersten Generation die „prozessorientierte Psychologie“ und gründete das Institut für Prozessarbeit. In der Schweiz ist die therapeutische Form der Prozessarbeit kassenärztlich anerkannt. 

In der Anwendung basiert die Prozessarbeit grundlegend auf der Haltung der „Tiefen Demokratie“, der Überzeugung, dass alle Anteile eines Systems, alle Sichtweisen und Rollen, immer auch wichtige Ressourcen darstellen, auch wenn sie zunächst oft nicht alle gleichermaßen dem Alltagsbewusstsein zugänglich sind.

Dr. Achim Goeres und Dr. Tanja Hetzer (Hanuman-Institut Berlin) beschreiben weiterhin wie folgt: 

„Diese Haltung ist ganz entscheidend von Demut gegenüber dem Leben selbst, Liebe zu den Menschen und Respekt und Wertschätzung vor ihrem persönlichen Erleben geprägt. Persönliche Wertungen, insbesondere kulturelle Abneigungen oder therapeutische Konzepte und Pathologisierung [versuchen] Prozessarbeiter als eine Erscheinung des Gesamtgeschehens zu behandeln und hinter sich zu lassen. [Sie dienen] einem umfassenderen, ganzheitlichen Geschehen, dass wir je nachdem als Prozess, als Dao oder als Selbstorganisation beschreiben können.“ 

Bezüglich der analytischen Methodik stellt das Institut für Prozessarbeit in Zürich (IPA) dar: 

„Prozessarbeit systematisiert unterschiedliche Methoden der Erkenntnisgewinnung durch die Strukturierung von Erfahrungen in unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen (wie z.B. Sehen, Hören, Spüren, Bewegen). Unabhängig davon, ob wir mit Einzelnen, Beziehungen, Teams oder Gruppen arbeiten, geht es im Kern darum, dem Fluss von Informationen mithilfe der Wahrnehmung von Signalen und Feedback zu folgen, um Veränderungsmuster und kreative Lösungen zu entdecken.“ 

Die daraus entstehende, oftmals aufdeckende Arbeit findet in vielfältigen Kontexten Anwendung, z.B. im Business-Coaching, in der Team- und Organisationsentwicklung, in der Beratung für Liebesbeziehungen, in der Arbeit mit Familiensystemen, in der Politik, der Krankenpflege und in der Psychotherapie.